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Mathilde wurde um 895 im alt-sächsischen Engern als Tochter des westphälischen Grafen Dietrich und dessen Gemahlin Reinhild geboren. Während die Mutter aus dem Norden stammte und dänischer oder friesischer Herkunft war, gehörte Graf Dietrich zu den Nachfahren des Herzogs Widukind, der den alt-sächsischen Widerstand gegen die fränkische Herrschaft (772 - 804) unter dem sel. Karl dem Großen (768 - 814) lange Zeit anführte. In einem Herforder Kloster, dem ihre Großmutter als Äbtissin vorstand, wurde Mathilde erzogen.
Als Heinrich, der spätere deutsche König (919 - 936), bereits Herzog Sachsens (912 - 936) war, heiratete er die junge Grafentochter. Sie zeichnete sich durch besondere Anmut und Schönheit aus. Ihrer besänftigenden Art gelang es immer wieder, den zum Zorn neigenden Heinrich zu beruhigen und ihn von Härte zu ausgewogener Gerechtigkeit zu führen. Fünf Kinder wurden dem Paar geboren, drei Söhne und zwei Töchter: Otto, Heinrich, Gerberga, Hadwig und St. Bruno.
Durch die Wahl Heinrichs des Vogelers zum Nachfolger des Franken Konrad I. (911 - 919) wurde die hl. Mathilde Königin. Sie war die Gemahlin des ersten Herrschers aus dem sächsischen Hause der Liudolfinger wie die hl. Kunigunde die des letzten. Während der Regierungszeit Heinrichs I. wurde aus dem Ostfränkischen Reich das Regnum teutonicorum, das Reich der Deutschen.
Als König Heinrich I. starb, ergriff Mathilde in der schwierigen Frage der Nachfolge Partei für ihren Sohn Heinrich, den späteren Herzog Bayerns (947 - 955), den nach der Thronbesteigung 919, also „im Purpur“, zuerst Geborenen. Doch die Mehrzahl der Fürsten des Reiches orientierte sich im Gegensatz zur Königin nicht an byzantinischem Thronfolgerecht und wählte entsprechend dem Willen Heinrichs I. den ältesten Sohn Otto (936 - 973), den Erstgeborenen, zum Nachfolger seines Vaters. Daraus entstand ein Bruderzwist, in dem Heinrich unterlag. Als aber die Mutter ihre beiden Kinder miteinander versöhnen wollte, da wandten sie sich beide gegen sie und nahmen ihr das Erbe, da sie meinten, ihre gegenüber Bedürftigen überaus freigiebige Mutter verschwende Krongüter.
Mathildes heiliger Lebenswandel bewährte sich auch in dieser so bedrückenden Situation. Sie zog sich nach Engern zurück und ertrug das ihr auferlegte Leid geduldig. So häufte sie glühende Kohlen auf das Haupt ihrer Söhne. Otto und Heinrich kamen daraufhin zur Einsicht und taten Buße. Beide eilten nach Engern und warfen sich ihrer Mutter zu Füßen; natürlich gaben sie der hl. Mathilde auch ihr Erbgut zurück.
941 erhob sich Heinrich noch einmal gegen seinen Bruder Otto und unterlag wiederum. Auf die Fürbitte der Königinmutter Mathilde hin verzieh ihm der König. Otto erhob den besiegten Rebellen sogar zum Herzog Bayerns. Von da an war dieser treuer Vasall des Königs.
Der 962 zum ersten nicht-karolingischen Kaiser im Westen gekrönte Otto, seit 951 vermählt mit der hl. Adelheid (vgl. 5.9.), herrschte nach dem Sieg auf dem Lechfeld (s. 4.7.) unangefochten über Deutschland und die übrigen Reichsterritorien. Heinrich starb wenige Monate nach der Schlacht gegen die Ungarn, an der er teilgenommen hatte. Ottos Bruder Bruno I., der heilige Erzbischof Kölns (953 - 965), unterstützte den König und Kaiser als Kanzler des Reiches. St. Bruno war ein Anhänger der von dem um 909 gegründeten Kloster Cluny (s. 28.5.) ausgehenden Reformbewegung innerhalb der Kirche und förderte deren fromme Anliegen.
Die hl. Mathilde stiftete Klöster im gesamten Harzgebiet, u.a. Quedlinburg. Dorthin zog sie sich zurück, um ihr irdisches Leben ganz hingegeben an Übungen der Frömmigkeit zu beschließen. Als ihr auf übernatürliche Weise Stunde und Tag ihres Todes mitgeteilt wurden, verschenkte sie den verbliebenen Rest ihres Besitzes an die Armen, hüllte sich in ein Bußgewand, streute Asche auf ihr Haupt, bezeichnete sich mit dem hl. Kreuzzeichen und entschlief. Dies geschah am 14. März 968 zu Quedlinburg. In dem dortigen Dom wurde ihr sterblicher Leib neben dem ihres Gemahls bestattet. - Das Kloster Quedlinburg wurde während der Reformationszeit in ein weltliches Stift für adlige Damen umgewandelt, das bis zum Reichsdeptutationshauptschluß von 1803 bestand und von Jerome, dem jüngsten Bruder Napoleons I. (1799 - 1815; Kaiser ab 1804; gest. 1821), dem König Westphalens (1807 - 1813), im Jahre 1812 aufgelöst wurde.
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