Bin ich berufen?

 „Selig sind die, die in Deinem Hause wohnen, o Gott, sie werden auf ewig deinen Namen preisen.“ (Ps 83, 5)

 „Weh denen, die sterben, ohne ihre Sendung zu erfüllen. Die berufen waren, heilig zu sein, und in Sünde lebten, die berufen waren, Gott zu dienen, und die in diese leere und ungläubige Welt kamen; die berufen waren zu kämpfen und eitel blieben. Weh denen, die Gaben und Talente hatten und sie nicht, zu wenig oder falsch nutzten. Die Welt lebt weiter von Generation zu Generation, aber die Engel und Heiligen weinen und klagen immer ach und weh über den VERLUST DER BERUFUNGEN und über enttäuschte Hoffnungen und die Verachtung der Liebe Gottes und das Verderben der Seelen.“ (Newman)

 1. Komm, folge Mir nach

 „Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben erlange?“ lautete die Frage eines Mannes, den das Glück mit Reichtum in dieser Welt bedacht hatte und der erkannte, dass das ewige Leben ein viel größerer Schatz ist. Er war zum Göttlichen Lehrer gekommen, um zu fragen, was er noch tun könne, um das Ziel zu erreichen, nach dem er strebte. Er war jung und reich, ein Mächtiger in seinem Land, und sein Leben war ohne Fehl und Tadel.

„Die Gebote? Ich habe alle seit meiner Jugend stets gehalten“, sagte er, „Meister, was soll ich noch tun?“

Jesus blickte ihn liebevoll an, denn eine solche Seele war seinem Heiligsten Herzen lieb. „Wenn du vollendet sein möchtest“, antwortete Er, „geh und verkaufe, was du hast, gib es den Armen und komm und folge mir nach.“

Es folgte eine schmerzhafte Pause: Natur und Gnade kämpften gegeneinander; die Einladung war ausgesprochen, der Weg zur Vollendung aufgezeigt. Nur ein einziges Opfer musste gebracht werden, um ihn zu einem wahren Jünger zu machen. Aber es war ein großes Opfer, zu groß für ihn, der gerade noch so großzügig erschienen war. Er zögert, überlegt und wendet sich dann traurig ab – während die Worte „Komm, folge Mir nach!“ noch in seinen Ohren klangen, denn die Liebe zu „seinem großen Besitz“ hatte sein Herz gefesselt – eine Berufung war ausgesprochen und zurückgewiesen worden. „Was für eine Menge von Bedenken musste ihn bedrängen, der von Jesus selbst berufen wurde, Ihm zu folgen“, sagt Pater Faber. „Schaut er im Himmel nun das Gesicht, von dessen sanfter Schönheit er sich auf Erden so traurig abgewandt hat?“

 

Fast 2000 Jahre sind seither vergangen, aber die gleiche drängende Stimme muss vielen jungen Männern und Mädchen ins Ohr geflüstert haben: „Es gibt nur einen Weg für Dich – komm, folge Mir nach!“ Manche haben diese Stimme mit Freude und Entzücken gehört und sind auf den Ruf des Meisters aufgestanden; andere haben ihre Ohren verstopft und sich von ihm abgewandt, aus Furcht vor Ihm, der sie rief. Wieder andere sind stehen geblieben und haben aufgehorcht und sich gefragt, ob diese Einladung ihnen gelte, bis Jesus von Nazareth an ihnen vorbei gegangen war und sie für immer hinter sich ließ.

An diese ist diese Erklärung einer Berufung in erster Linie gerichtet, in der Hoffnung, dass sie die Wege der Gnade in ihrer Seele erkennen oder sogar dazu angeregt werden zu bitten, dass sie eines Tages am höchsten Geschenk, der ewigen Liebe Gottes, teilhaben dürfen.

2. Was ist eine Berufung?

 „Wie weiß ich, ob ich berufen bin oder nicht?” Wie oft hat sich diese Frage auf die Lippen eines jungen Mannes oder Mädchens gedrängt, die erkannt haben, dass das Leben einen Sinn hat? Und wie oft wurde sie einfach mit einem unsicheren „Ich bin sicher, dass ich keine Berufung habe“ oder einem heimlichen Gebet, dass Gott sie von einem solchen Schicksal bewahren möge, abgetan. Wie wenig wissen sie von dem Glück, das sie wegwerfen, wenn sie Gottes Einladung ablehnen. Denn eine solche Frage ist oft ein Zeichen für eine wahre Berufung.

In erster Linie ist eine Berufung oder „der Ruf zum Priestertum oder Ordensleben“ – im Gegensatz zur allgemeinen Einladung an alle Menschen, auch in dieser Welt ein vollkommenes Leben zu führen – ein Geschenk Gottes an die von Ihm Auserwählten. „Nicht ihr habt Mich erwählt“, sagte Er zu Seinen Jüngern, „sondern Ich habe euch erwählt“, und der Evangelist berichtet uns, dass „Christus die berief, die Er wollte“. Oft ergeht eine Berufung an solche, von denen wir es am wenigsten erwarten würden. Maria Magdalena, zum Beispiel, die bis über den Kopf mit Sünde bedeckt war, wurde die Braut des Makellosen; oder Matthäus, der von ungerecht erworbenem Reichtum umgeben war, und Saulus, „der Drohungen gegen die Christen ausstieß und sie töten ließ“. Jeder von ihnen hörte den Ruf, denn ein früheres Leben in Sünde ist kein Hindernis für eine Berufung, erklärt der heilige Thomas.

 Aber obwohl dieses Geschenk von unschätzbarem Wert ist und ein Zeichen besonders großer Zuneigung von Seiner Seite, zwingt Gott die Seele nicht, das Geschenk anzunehmen, sondern überlässt ihr die Entscheidung, mit der Gnade mitzuwirken oder sie zurückzuweisen. Eines Tages nähert sich der „Göttliche Jäger“ seiner Beute, die er sich als Werkzeug seiner Liebe ausersehen hat; und vorsichtig, als ob Er sich fürchtet, den freien Willen zu beeinträchtigen, wispert Er ein Wort. Wenn die Seele sich abwendet, wendet sich auch Jesus oft für immer ab, da er nur Freiwillige in Seinem Dienst haben möchte. Aber wenn die erstaunte Seele aufhorcht, sogar wenn sie sich fürchtet, dass diese Stimme noch einmal zu ihr sprechen könnte, auch wenn sie vor dem zurückschreckt, was die Stimme vorschlägt, dann kann die Gnade wirken und ihren Gefangenen zu den Füßen des Jägers bringen.

 Bei dieser ersten Begegnung wird die Seele unbewusst tief verwundet mit einem Verlangen nach einer unbekannten, noch nicht verkosteten Freude. Fast unmerklich hat ein Verlangen nach einem edleren Leben vom Herzen Besitz ergriffen. Gebet und Selbstverleugnung und der Gedanke an Opfer bringen eine neue Seligkeit. Das blendende Licht der weltlichen Vergnügungen, die einst so anziehend waren, scheint zu ersterben. Die Freuden und Vergnügungen der Welt sind nicht länger anziehend oder befriedigend; ihre Leere führt nur dazu, dass man sich mehr davon zurückhält und sie fürchtet. Und währenddessen quält immerzu der Gedanke an dieses undefinierbare „Etwas“ die Seele.

 „Süßer und sanfter Herr!“ ruft der selige Heinrich Seuse: „Seit den Tagen meiner Jugend habe ich mit brennendem Verlangen nach etwas gesucht, aber ich habe bis jetzt nicht ganz verstanden, was das war. Herr, ich habe viele Jahre danach gesucht, konnte es aber niemals ganz fassen, denn ich weiß nicht, was es ist. Dennoch ist es etwas, das meinen Verstand und meine Seele anzieht und ohne das ich niemals vollständig zur Ruhe kommen kann. Herr, ich habe es seit den Tagen meiner Kindheit in den Geschöpfen gesucht, aber je mehr ich es bei ihnen suchte, desto weniger konnte ich es dort finden, denn jedes Abbild, das sich mir zeigte, warnte mich, bevor ich es ganz erfassen oder mich darauf einlassen konnte, mit solchen Worten: „Ich bin nicht das, wonach du suchst.“ Jetzt sucht mein Herz wie rasend danach, denn es würde es so gerne besitzen. Ach, ich erfahre ständig, was es nicht ist. Aber was es ist, o Herr, ist mir noch immer nicht klar. Sag mir, liebster Herr, was es ist und was das Wesen dessen ist, das mich beständig umtreibt.“

 Sogar mitten im Treiben und den Vergnügungen der Welt ist dieses schmerzhafte Verlangen im Herzen. „Wie sinnlos ist all dies. Wie leer! Wie ungenügend! Ist das alles, was das Leben bringen kann? Bin ich nur für das geschaffen?“

 Langsam beginnt man, das Hervorragende und Gute der Vollendung des Lebens nach den Maßstäben des Evangeliums zu verstehen. Den unbeschreiblichen Vorzug des jungfräulichen Lebens und das Ideal eines Lebens, das ganz dem Dienst an Gott und der Rettung der Seelen gewidmet ist. Lauter und stärker wird jenes zarte Wispern: „Komm, folge Mir nach“, bis die furchtsame Seele schließlich mit einem Gefühl größter Freude und Dankbarkeit oder auch manchmal mit natürlicher Zurückweisung und Furcht vor der Verantwortung erkennt, dass sie berufen ist oder wie es heißt: „Der Herr ist hier und ruft nach dir.“

 

 Eine wirkliche Berufung

 Eine Berufung ist daher im Allgemeinen nicht geheimnisvoll, wie manche Leute es sich vorstellen, sondern einfach die Wahl eines bestimmten Lebensstils, die Gott für jemanden trifft.

„Ein Mensch hat eine wahre Berufung für eine bestimmte Lebensform“, schreibt Pater C. Coppens SJ, „wenn er wirklich überzeugt ist, dass, soweit er es mit Gottes Gnade beurteilen kann, diese Lebensform die beste ist, um das Ziel zu erreichen, das Gott für ihn ausersehen hat. Und wenn die Talente, Gewohnheiten und Lebensumstände des Menschen so sind, dass man mit einiger Sicherheit annehmen kann, dass er in dieser Lebensform erfolgreich sein kann.“

 Pater Poulain SJ, der große französische Asket, fügt hinzu: „Um festzustellen, ob es sich bei jemandem um eine wirkliche, von Gott eingegebene Berufung handelt, reicht es gewöhnlich nicht aus zu sagen, dass jemand eine beständige Neigung dazu hat. Dieses Kennzeichen ist nicht sicher, wenn nicht auch noch natürliche Bedingungen erfüllt sind, nämlich, dass bestimmte physische, moralische und intellektuelle Fähigkeiten vorhanden sind.“

 Eine Berufung zu einem geistlichen Stand setzt daher voraus, dass man nicht nur eine übernatürliche Neigung oder ein Verlangen hat, diesem Stand beizutreten, sondern auch die Fähigkeit oder Möglichkeit, sich den Pflichten anzupassen. Gott kann ja nicht widersprüchlich handeln.

 Wenn Er jemanden wirklich beruft, dann muss Er ihm auch die Fähigkeiten geben, Ihm zu folgen. Wenn aber wirkliche Hindernisse im Weg sind, z.B. ernsthafte Schwächen: alte Eltern, die unterstützt werden müssen, etc., dann kann dieser nicht berufen sein.

 Gott ruft manchmal jemanden dazu auf, etwas zu tun, was er nicht wirklich getan haben möchte. David zum Beispiel wollte unbedingt den Tempel des Herrn bauen, Abraham wurde gesagt, er solle seinen Sohn opfern, aber das war nur dazu da, ihren Gehorsam und Willen zu prüfen. Die heilige Teresa sagt: „Gott freut sich manchmal mehr über den Willen, eine Sache zu tun, als über die Erfüllung dieser Aufgabe.“

 Der heilige Franz von Sales erachtet „einen festen und entschlossen Willen, Gott zu dienen“ als das beste und sicherste Zeichen für eine wahre Berufung, denn der göttliche Lehrer hat einst gesagt: „Wenn du [das] willst, komm, folge Mir nach.“ Er schreibt: „Eine wirkliche Berufung ist einfach ein fester und andauernder Wille, Gott zu dienen, in der Weise und an dem Ort, an den Er mich ruft. Ich sage nicht, dass dieser Wunsch frei sein soll von Zurückweisung, Schwierigkeit oder Ablehnung. Denn eine Berufung muss nicht als falsch angesehen werden, weil derjenige, der sich zum geistlichen Stand berufen fühlt, nicht mehr die selben starken Gefühle hat, die er zuerst verspürt hat, ja, dass er sogar Abneigung oder eine solche Kälte fühlt, dass er schon alles verloren glaubt. Es reicht aus, dass der Wille beständig bleibt in der Entscheidung, die zuvor gewählte Richtung nicht zu verlassen. Um herauszufinden, ob Gott uns zum geistlichen Stand beruft, muss man nicht warten, bis Er selbst zu uns spricht oder bis Er uns einen Engel vom Himmel sendet, uns Seinen Willen zu verkünden. Und es ist auch nicht nötig, dass man Offenbarungen hat, aber die erste Anregung sollte beantwortet werden, und man muss sich keine Sorgen machen, wenn später Abneigung oder Kälte hinzukommen.“

 3. Anzeichen für eine Berufung

 Die folgende Liste mit den normalen Anzeichen für Berufungen ist hauptsächlich den Werken von Pater Gautrelet SJ und dem Exerzitienbüchlein entnommen. Niemand soll erwarten, all diese Anzeichen zu haben, aber wenn mehrere davon nicht vorhanden sind, kann die Person sicher annehmen, dass sie keine Berufung hat:

 Das Verlangen danach, berufen zu sein, zusammen mit der Überzeugung, dass Gott dich ruft. Dieses Verlangen wird meist am ehesten gespürt, wenn die Seele ruhig ist, nach der heiligen Kommunion und in Zeiten der Ruhe. 

  1. Eine zunehmende Hingezogenheit zum Gebet und zu heiligen Dingen im Allgemeinen, zusammen mit dem Wunsch nach einem verborgenen Leben und dem Wunsch, enger mit Gott verbunden zu sein.
  2. Verachtung der Welt, überzeugt zu sein von ihrer Leere und Unfähigkeit, der Seele zu genügen. Dieses Gefühl ist meist am stärksten inmitten von weltlichen Vergnügungen.
  3. Furcht vor der Sünde, in die man so leicht fallen kann, und ein Verlangen, den Gefahren und Versuchungen der Welt zu entkommen.
  4. Manchmal ist es ein Zeichen für eine Berufung, wenn jemand fürchtet, dass Gott sie oder ihn rufen könnte; wenn er/sie betet, keine Berufung zu haben und den Gedanken nicht verbannen kann. Wenn es eine wirkliche Berufung ist, wird bald eine Anziehung verspürt werden, denn Pater Lehmkuhl sagt: „Man muss nicht eine natürliche Neigung zum geistlichen Stand haben. Im Gegenteil, eine göttliche Berufung ist sogar vereinbar mit einer natürlichen Abneigung gegen diesen Stand.“
  5. Eifer für die Seelen. Den Wert der unsterblichen Seele zu erkennen und das Verlangen, an ihrer Rettung mitzuarbeiten.
  6. Das Verlangen, unser ganzes Leben dafür hinzugeben, einen lieben Nahestehenden zum Glauben zu führen.
  7. Das Verlangen, für unsere Sünden zu sühnen oder für die Sünden anderer und den Versuchungen zu entfliehen, denen zu widerstehen wir uns zu schwach fühlen.
  8. Eine Neigung zum jungfräulichen Leben.
  9. Freude am geistlichen Stand zu haben und an seiner geistlichen Unterstützung, seinem Frieden, seinen Verdiensten und Belohnungen.
  10. Ein Verlangen danach, sich selbst zu opfern und alles für die Liebe zu Jesus Christus zu verlassen und um Seinetwillen zu leiden.
  11. Den Willen in sich selbst zu spüren, keine weltlichen Güter oder nur wenig Bildung zu haben, und das Verlangen, in jedweder Fähigkeit aufgenommen zu werden, ist der Beweis für eine wahre Berufung.
 
 
Gebetszug gegen Abtreibung


Gebets- und Demonstrationszug zum Schutze des Lebens in Freiburg

Weiterlesen...


 
1000plus


Helfen Sie, tausend Babys zu retten...

Weiterlesen...


 
Jahrestag


Rücknahme des Exkommunikationsdekretes

Weiterlesen...


 
Aufruf zum Gebetssturm

 

Immaculata
12 Millionen Rosenkränze für den Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens – Beten Sie mit!
Weiterlesen...


 
Pilgermadonna


Ab Samstag, dem 3. Oktober, wandert diese Statue durch alle Kirchen, Kapellen und Priorate Deutschlands!

Weiterlesen...


 
Einsatz für den Glauben hat sich gelohnt!


Blasphemische Darstellung von Bad Schussenried ist ENTFERNT!

Weiterlesen...


 
Die manipulierte Demokratie


Ein Kommentar zum Minarettverbot in der Schweiz.

Weiterlesen...


 
Antwort auf die Religionsfreiheit

 
Sie haben ihn entthront! Eine Antwort von Pater Matthias Gaudron zur Diskussion um die Religionsfreiheit. (Bild: Notre Dame de Paris, vollendet mit Minaretten)

Weiterlesen...


 
Kommentar


Brüderlichkeit tut Not! – Ein Kommentar

Weiterlesen...


 
Spass muss sein...


Weiterlesen...


 
MESSE bei der PRIESTERBRUDERSCHAFT ST. PIUS X.

Kirchen und Kapellen in Deutschland


 
Zusammenfassung


Wofür steht die Priesterbruderschaft St. Pius X.?

Weiterlesen...