Bilanz über 15 Jahre nachkonz. Gehorsam (Angers, 1980)

Vortrag von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre
am 20. November 1980 in Angers (Dép. Maine et Loire)
(Bilanz über 15 Jahre nachkonz. Gehorsam)

Meine geliebten Mitbrüder!
Meine Damen und Herren!

Wir haben nur einen Wunsch, den katholischen Glauben wiederzufinden und in ihm zu verharren. Sie wissen sehr gut, wie viele Ereignisse, Zerstörungen und Katastrophen wir seit 15 Jahren in der Kirche erleben. Für diesen Vortrag habe ich daher den Titel „Bilanz über 15 Jahre nachkonziliaren Gehorsam gegen die Reformen“ ausgewählt.
Es dürfte nicht nötig sein, über diese 15 Jahre eine Bilanz zu ziehen. Die Zeitungen, die Revuen, das Fernsehen und alle Informationsmittel halten uns gut auf dem laufenden. Ebenso offenbaren Ihnen die Beziehungen, die Sie zu den Repräsentanten der heutigen Kirche haben können, diese tragische Situation. Ich halte es daher nicht für notwendig, besonders auf das Resultat dieser nachkonziliaren Jahre hinzuweisen.
Daher werde ich Ihre Aufmerksamkeit nur auf ein schwerwiegendes und für die Kirche selbst besonders zerstörerisches Resultat lenken, da es sich dabei um ein wesentlich priesterliches handelt. Man kann die katholische Kirche, ich würde sogar sagen, die gesamte Kirche, nicht als eine Kirche ohne Priester verstehen. Eine Religion hat immer einen Kult, normalerweise ein Opfer. Im besonderen müssen wir feststellen, daß das schwerwiegendste Problem der Kirche heute die Entsakralisierung des Priestertums und die Änderung des Opfers ist. Man wollte wirklich das entsakralisieren, was es in der Kirche an Schönstem und Erhabenstem gibt.
Bei dem Gegenstand meines Vortrages handelt es sich im wesentlichen um den Gehorsam gegen die Reformen. Darin liegt das grundlegende Problem, sowohl für die Menschen, welche die konziliaren Reformen befolgen, als auch für diejenigen, die diese bis zu einem gewissen Grad ablehnen. Von durchaus elementaren Prinzipien ausgehend, werde ich nun gemeinsam mit Ihnen in aller Einfachheit betrachten, was der Gehorsam ist und warum man uns vorwirft, ungehorsam zu sein.
Der Gehorsam an sich beinhaltet keine moralische Qualität. Das kann überraschend erscheinen. Man ist gewohnt zu glauben, daß der Gehorsam ein Tugendakt ist. Nein! Der Gehorsam an sich ist weder eine Tugend noch ein Laster. Er kann das eine oder das andere sein.
Der Gehorsam der Kommunisten: Vielleicht gibt es keine gehorsameren Menschen, als die Mitglieder der kommunistischen Partei. Sie gehorchen ihrem Chef und der Partei. Die Ereignisse in Polen (1980) zeigen das Drama, vor das die kommunistische Partei gestellt ist. Ein winziger Teil des mächtigen sowjetischen Landes, scheint sich vom Gehorsam lösen zu wollen. Damit wird das ganze System in Frage gestellt. Das ist ein starrer Gehorsam, der sogar oft freiwillig ist.
Handelt es sich dabei um einen guten Gehorsam? Offenkundig nicht! Warum? Die Partei strebt ein böses Ziel an. Die Menschen, die der Partei gehorchen und beim Erreichen des Zieles mitwirken, verrichten ein böses Werk. Das ist nicht schwer zu verstehen.
Betrachten wir ein anderes Beispiel – der Gehorsam gegen die bürgerliche Regierung. Die Ärzte sind verpflichtet, Abtreibungen vorzunehmen. Nach ihrer Meinung, gehorchen sie dem geltenden Gesetz, da sie Beamte des Staates sind. Heute sind die meisten Ärzte Beamte. So rechtfertigen sie die Tötung der Kinder. Apotheker, Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen halten sich ebenso dazu verpflichtet, das Gesetz des Staates zu erfüllen.
Handelt es sich dabei um einen guten Gehorsam? Nein! Es ist ein böser Gehorsam, da er die Mitwirkung an einem bösen Akt oder Zweck beinhaltet, der die Gesellschaft zerstört. Gott hat dem Staat nicht die Gewalt dazu verliehen, die Gesellschaft zu zerstören oder Kinder zu töten. Das versteht sich von selbst!
Es gibt noch eine andere Art des bösen Gehorsams. Diese Art finden wir im Bereich des Unterrichtswesens, sogar im katholischen Unterrichtswesen. Die heutigen Gesellschaftsverträge verpflichten die meisten katholischen Schulen, nicht nur die staatlichen Lehrpläne zu übernehmen, sondern auch die staatlichen Lehr- und Handbücher. Leider enthalten diese Handbücher für katholische Eltern und Erzieher unzulässige Inhalte, die besonders die sexuelle Erziehung betreffen. Allgemein wird heute jedoch die Meinung vertreten: „Wir gehorchen, da wir vom Staat bezahlt werden. Uns wurden die staatlichen Handbücher gegeben. Wir müssen die Kinder für die staatlichen Zeugnisse vorbereiten. Daher können wir nichts anderes tun, als zu gehorchen.“
Handelt es sich dabei um einen guten oder um einen bösen Gehorsam? Natürlich um einen bösen Gehorsam. Damit wird die moralische Zersetzung der französischen Kinderwelt begünstigt! Abscheulich!
Man könnte viele Beispiele dieser Art anführen. Stellen Sie sich mißratene Eltern vor, die ihre Kinder dazu bewegen, unehrenhafte Dinge zu tun, um Geld zu verdienen. Die Eltern könnten ihre Kinder zum Beispiel zum Stehlen auffordern. Diese Kinder könnten antworten, daß sie den Befehlen ihrer Eltern gehorchen müssen. Wäre das ein guter oder ein böser Gehorsam? Es wäre ein böser Gehorsam! Diese Prinzipien müssen nicht einmal bewiesen werden.
Wenden wir uns nun der Kirche zu. Sie werden sagen: „Das ist etwas anderes! Werden Sie nun zu uns über einen bösen Gehorsam der Kirche sprechen? Das ist nicht möglich!“
Doch, das ist möglich! Unser Herr selbst hat uns im Evangelium gelehrt: „Ihr werdet den Baum an seinen Früchten erkennen.“ Das hat Er über die schlechten Hirten gesagt: „Ihr werdet die schlechten Hirten an ihren Früchten erkennen, gleich wie man den Baum an den Früchten erkennt. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte tragen, noch kann ein schlechter Baum gute Früchte tragen.“ Weiter fügt Er hinzu: „Mißtraut den schlechten Hirten.“ Unser Herr selbst lehrt uns, daß es schlechte Hirten gibt. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Menschen, die ein kirchliches Amt bekleiden. Diese können von uns verlangen, schädliche Dinge zu tun, die dem Wohl der Kirche und dem Wohl der Seelen widersprechen.
Ist das wirklich möglich? Ja! Dem Gleichnis vom guten Hirten hat Unser Herr noch hinzugefügt, daß es Mietlinge gibt. Die Schafe sind für die Mietlinge nicht von Interesse. Die Mietlinge sind deshalb nicht an den Schafen interessiert, weil ihnen die Schafe nicht wirklich gehören. „Ich bin der gute Hirte“ sagt Unser Herr. „Die Schafe interessieren Mich. Ich kenne sie, sie kennen Mich und sie folgen Mir.“ Der Mietling hingegen flieht, wenn der Wolf kommt. Er gibt die Schafe der Gier des Wolfes preis.
Es ist offenkundig, daß es in der Kirche schlechte Hirten geben kann. Es hat sie immer gegeben. Sind sich diese Personen darüber im klaren, was sie tun? Sind sie wahrhaft subjektiv böse? Gott alleine richtet die Gewissen. Wenn ein Hirte, in diesem Fall der Bischof, objektiv gesehen, in seinen katholischen Schulen einen Katechismus einführt, der nicht mehr katholisch ist, dann ist er ein schlechter Hirte.
Es ist eine Tatsache, daß seit dem Konzil, in allen Ländern der Welt, schlechte Katechismen verbreitet wurden. In erster Linie war dies in Holland der Fall. Nach Holland sind andere, wahrhaft niederträchtige Katechismen gefolgt. Ich übertreibe nicht. Die Katechismen von Kanada sind absolut abscheulich! Man pflanzt in die Herzen der Kinder einen marxistischen Geist und gleichzeitig einen revolutionären Geist gegen die Eltern.
Einer dieser Katechismen trägt den Titel „Der Bruch“. Dem Kind wird erklärt, daß der Fortschritt durch den Bruch entsteht. Dafür werden Beispiele angeführt. Man muß mit dem Milieu brechen, wie das kleine Küken seine Eierschale zerbricht, um herauszukriechen. Auch das Kind muß aus seiner Eierschale herauskriechen, also aus seiner Familie, die seine Entwicklung behindert. Das Kind muß mit seiner Familie und mit seinen Eltern brechen. Darauf wird der Bruch mit der Gesellschaft folgen, die uns gefangen hält, da sie konventionell ist. Sie sehen, es ist leicht, Beispiele zu finden. Man fühlt sich durch die gesamte Gesellschaft nicht frei. In den Schulen kann man weder lernen, noch kann man machen, was man will. Man ist immer eingegrenzt und wird dirigiert. Daher muß man mit allem brechen. Diese Katechismen werden mit Bildern illustriert, die erhobene Fäuste zeigen. An allen Schulen in Kanada werden diese Katechismen an die katholischen Kinder verteilt.
Welche Art des Gehorsams muß man gegenüber diesen Bischöfen zeigen? Müssen die Eltern akzeptieren, den Bischöfen unbedingt zu gehorchen? Nein!
Ich selbst besuchte Kardinal Wright, um ihm diesen Katechismus zu zeigen. Ich sagte zu ihm: „Eminenz, nach dem Papst sind Ihnen für die ganze Welt die Katechismen anvertraut. Was sagen Sie zu diesem Katechismus? Wie denken sie darüber?“ Er antwortete mir: „Ich kenne diesen Katechismus. Er ist nicht katholisch!“ Ich sagte weiter: „Wenn dieser Katechismus nicht katholisch ist, warum lassen Sie es dann zu, daß die Bischofskonferenz von Kanada diesen Katechismus an die Kinder verteilt? Warum weisen Sie die Bischofskonferenz nicht zurecht?“ Er antwortete mir daraufhin: „Sie müssen verstehen, daß dies sehr schwierig ist. Die Bischofsversammlungen sind die Herren in ihren Ländern. Wir können nicht immer intervenieren, etc.“ Gerade in diesem Fall liegt ein Versagen der Amtgewalt vor. Es wird die Freiheit gewährt, den Kindern vergiftete Bücher zu geben. Diese Vorgehensweise findet man nicht nur in Kanada, sondern auch in anderen Ländern.
Welche Antwort würde ich erhalten, wenn ich einen der mich heute begleitenden Herren fragen würde: Was müßte getan werden, um zu versuchen, die Verbreitung dieser Katechismen im Kanton Wallis in der Schweiz zu vermeiden? Gott weiß, daß die Schweiz für ihre Ordnung, ihre Disziplin und ihre maßvolle Form bekannt ist. Auch dort werden indiskutable Katechismen verbreitet!
Katholische Eltern suchten den Bischof auf, um ihm begreiflich zu machen, daß diese Katechismen nicht mehr katholisch sind und nicht in die Hände der Kinder gelegt werden dürfen. Er wußte daraufhin keine Antwort. Letzten Endes hat er nichts dagegen unternommen. Die schlechten Katechismen werden weiterhin verbreitet und im Unterricht verwendet. Ich könnte noch viele derartige Beispiele anführen.
Die Bischöfe verlangen außerdem von ihren Priestern, alle Kirchen umzuwandeln. Nach dem Ende des Konzils haben die Reformen begonnen. Man muß die Altäre und diese riesigen Retabeln, die sie geziert haben, entfernen. Alles muß man zerstören. Statuen werden beseitigt. Die Kirche wird von allen alten Dingen und Reliquien befreit. Kruzifixe werden von den Altären entfernt, weil sie für das Zelebrieren der Messe versus populum hinderlich sind. Auch das allerheiligste Sakrament des Altares ist im Weg. Es wird in einer Mauernische oder sonst irgendwo aufgestellt, damit nur noch ein einfacher Altartisch übrig bleibt, so wie es die sogenannten Regelungen der Liturgiereform verlangen. Auch die Ornamente müssen vereinfacht werden. Schließlich werden die neuen Gebete verwendet, die man nach Belieben in großer Auswahl vorfindet. Es gibt vier offizielle Kanons, drei Kanons für die Kinder, Kanons für die Verstorbenen und Kanons für die Trauungen, ohne dabei die Kanons aufzuzählen, die erfunden wurden.
Wir erleben die völlige Zerrüttung, Entsakralisierung und Profanierung der Liturgie. Unser Herr wird zur Seite gestellt. Die Zeichen der Anbetung werden abgeschafft und man findet inzwischen eine gewisse Mißachtung Seiner Gegenwart.
Können diese Änderungen gut sein? Betrachten Sie die Resultate. Beurteilen Sie den Baum nach seinen Früchten!
Sogar die Jugendlichen wollen davon nichts mehr wissen. Gerade heute morgen haben wir die Messe gefeiert. Viele Menschen waren sehr erstaunt, daß die Kirche am Ende der Straße noch vor fünfzehn Jahren jeden Sonntag mehrmals voll besucht war. Heute steht diese Kirche verlassen da. Kann auf Grundlage dieser Resultate behauptet werden, daß es sich dabei um einen guten Gehorsam handelt? Nein! Die Priester haben gerade auf dieser Grundlage an der Entchristlichung ihrer Pfarre und an der Profanierung der geheiligten Dinge mitgewirkt.
Außerdem wurden die Priester dazu verführt, das Tragen ihrer Soutane aufzugeben. 1962, als ich Bischof von Tulle war, erlebte ich folgende Episode. Ich erinnere mich noch genau an die Versammlung bei Erzbischof Richaud von Bordeaux mit allen Bischöfen der Diözese. Damals war er noch nicht Kardinal. Erzbischof Richaud legte uns eine Anfrage aus Paris vor: „Wie soll man heute darüber denken, daß die Priester in Frankreich ihre Soutane tragen?“ Das Schreiben gab zu verstehen, daß es gut wäre, wenn die Erzbischöfe über dieses Problem nachdenken würden und es schließlich den Priestern freigestellt ist, sich für ein Gewand zu entscheiden, das sie zwar noch von den übrigen Menschen unterscheidet, es sich jedoch dabei nicht mehr um die Soutane handeln sollte. Das wäre eine große Freiheit gewesen. Die Reaktion der Bischöfe aus dem Südwesten von Frankreich war vollkommen negativ. Was würden die Gläubigen dazu sagen, wenn die Priester von Frankreich keine Soutane mehr tragen würden? Ich kann Ihnen versichern, alle anwesenden Bischöfe sprachen sich gegen die Aufgabe der Soutane aus. Erzbischof Richaud meinte jedoch vermittelnd, da er vom Erzbischof von Paris bereits ein wenig konditioniert war: „Ich würde mich zum Beispiel beim Spazierengehen oder während einer Reise von Bordeaux nach Paris in einem Clergyman wohler fühlen, als in einer Soutane.“ Zu diesem Zeitpunkt war es nicht denkbar, einen Bischof von Frankreich ohne Soutane zu sehen. Das hätte einen Skandal bedeutet! Aus diesem Satz können Sie eindeutig die Mißachtung heraushören, die der Erzbischof von Bordeaux gegen das Tragen der Soutane publiziert hat.
Einige Zeit später vernahmen wir, daß zuerst in Paris, dann in Lyon und später in anderen großen Städten die Entscheidung gegen die Soutane gefallen ist. Die Bischöfe folgten! Die Priester beeilten sich, ihre Soutane abzulegen und den Clergyman anzuziehen, um somit von nun an in Zivil zu gehen. Es war vorbei! War das eine gute Entscheidung? Betrachten wir die Resultate. Priester haben ihr Priestertum aufgegeben. Von vielen weiß man nicht mehr, ob sie Priester sind, oder nicht. Gerade diese Entscheidung hat zum Schwinden der Berufungen geführt.
Sie werden sicherlich zu mir sagen, es ist offenkundig so weit gekommen, weil die Bischöfe von ihren Priestern und sogar von den Gläubigen unzulässige Dinge verlangten, die nicht akzeptiert werden können und auf die mit einem klaren „nein“ geantwortet werden muß. Die neuen Katechismen, die neue Liturgie und die Entsakralisierung können wir nicht akzeptieren. Daraus stellt sich jedoch eine sehr viel schwerwiegendere Frage. Wie verhält sich Rom? Kann sich Rom irren? Kann uns Rom zu einem bösen Gehorsam verpflichten? Ja, ohne Zweifel! Es würde der gesamten Kirchengeschichte widersprechen, wenn man glauben würde, daß die Entscheidungen von Rom auf allen Gebieten und Lehren immer gut für die Kirche und ein Gewinn waren. Das ist nicht richtig.
Natürlich müssen die notwendigen Unterscheidungen getroffen werden. Dem Papst garantiert die Unfehlbarkeit seiner Lehre „ex cathedra“, das bedeutet, wenn er eine im hinterlegten Glaubensgut enthaltene Wahrheit definiert. Ebenso ist der Papst in seinem ordentlichen Lehramt unter bestimmten Bedingungen durch die Unfehlbarkeit geschützt, zum Beispiel in einer Enzyklika, welche die Lehre seiner Vorgänger aufnimmt, um sie zu bekräftigen und um sie der ganzen Welt vorzuschreiben. Abgesehen von diesen beiden besonderen Fällen kann sich der Papst natürlich auch irren. War das Ralliement von Papst Leo XIII. ein Irrtum? Ebenso die Verurteilung der Action Française durch Papst Pius XI.? Den Beweis dafür erbrachte Papst Pius XII. als er den päpstlichen Thron bestieg. Er hob den Wahrspruch seines Vorgängers auf. Man könnte viele Fälle dieser Art aus dem Laufe der Kirchegeschichte anführen. Es besteht also kein Zweifel, daß sich der Papst sehr wohl irren kann, abgesehen von dem die Bedingungen der Unfehlbarkeit erfüllenden ordentlichen Lehramt. Ebenso muß man die Pression der Personen bedenken, die ihn umgeben.
Wie soll man das erklären? Dazu ist es notwendig, die Geschichte der letzten zwei Jahrhunderte genauer zu betrachten. Ich werde keineswegs die gesamten Einzelheiten behandeln. Sicherlich sind Sie hinreichend über die Geschichte des Liberalismus unterrichtet. Sie wissen, daß der Liberalismus von allen Päpsten verurteilt wurde. Der Liberalismus enthält Irrtümer, deren Wurzeln letzten Endes in der Freimaurerei zu finden sind. Diese Irrtümer ziehen den Verstand in Zweifel. Es gibt keine definitive und absolute Wahrheit. Der Wille wird in Zweifel gezogen. Der Mensch ist frei, es gibt kein Gesetz. Schließlich wird das Gewissen in Zweifel gezogen. Das Gewissen ist nicht verpflichtet, dem Gesetz zu folgen. Es herrschen Gewissensfreiheit, Gedankenfreiheit, Pressefreiheit, Lehrfreiheit. Alle Freiheiten sind ein Teil dieses Gefüges der Irrtümer, die die Päpste bereits seit eineinhalb Jahrhunderten verurteilen. Das Eindringen dieser Irrtümer hat die Christenheit langsam zerstört. Die Enzyklika von Papst Leo XIII., „Humanum genus“, welche die Geheimgesellschaft verurteilt, besagt: „Das Ziel der freimaurerischen Gesellschaft ist, die christlichen Institutionen zu zerstören.“ Das Ziel der Freimaurer ist also, diese Institution, welche die Kirche seit fünfzehn Jahrhunderten langsam und unerschütterlich aufgebaut hat, von Grund auf zu zerstören. Erreicht wird dies durch den liberalen Geist, der diese falschen Ideen verbreitet, den Dekalog allmählich durch die Menschenrechte ersetzt und nach und nach alles verwirft, was die Kirche gelehrt hat.
Der hl. Papst Pius X. konnte bereits zu seiner Zeit versichern: „Der Feind befindet sich nicht mehr nur außerhalb der Kirche ...“. Wenn der hl. Papst Pius X. von einem Feind spricht, dann sind damit die geheimen Gesellschaften gemeint. Der hl. Papst Pius X. deutet weiterhin an: „Er befindet sich jetzt im Inneren der Kirche.“
Der Feind befindet sich im Inneren der Kirche. Selbst der Papst hat das gesagt! Lesen Sie das Buch von Ploncard d’Assac mit dem Titel „L’Eglise occupée“, das er über das Geheimnis der Freimaurerei gerade veröffentlicht hat. Diese Bücher sollten wirklich alle lesen, um sich über die wahre Ursache zu informieren, was wir heute erleben. Der hl. Papst Pius X. wußte über diese Dinge sehr genau bescheid.
Ihnen ist sicherlich bekannt, daß man in den freimaurerischen Texten, die bereits vor einem Jahrhundert entstanden sind, folgendes findet: „Dringt in die Seminare ein. Von da aus werdet Ihr in den Klerus eindringen. Durch das Eindringen in den Klerus werdet Ihr in die Pfarren eindringen. Durch die Pfarren werdet Ihr in die Diözesankurie eindringen. Nach der Diözesankurie wird es Bischöfe geben, die unsere Ideen annehmen werden. Wenn die Bischöfe unsere Ideen annehmen, werden auch die Kardinäle, die aus den Bischöfen gewählt werden, unsere Ideen annehmen. Eines Tages – vielleicht in hundert Jahren – werden wir einen Papst haben, der unsere Ideen annehmen wird. Dann haben wir die Revolution durch die Kirche gewonnen.“ Das hatte die Alta Venta de Cabonari geschrieben. Auf Anordnung der Päpste Gregor XVI. und Pius IX. wurden diese Texte veröffentlicht. Mit der Veröffentlichung dieser Akten wollten diese Päpste den Bischöfen das Ziel der Freimaurerei vor Augen führen, das daraus besteht, in die Seminare einzudringen.
Der hl. Papst Pius X. sagte zu Beginn dieses Jahrhunderts: „Der Feind befindet sich jetzt in unseren Seminaren. Sie haben das erreicht, was sie sich vor fünfzig Jahren vorgenommen hatten.“ Vor einiger Zeit hatte Marsaudon, selbst ein Freimaurer, anläßlich des Konzils, ein Buch mit dem Titel „L'oecuménisme vu par un franc-maçon de tradition” – „Der Ökumenismus in den Augen eines Freimaurers von Tradition“ veröffentlicht. Aus den Texten geht eindeutig hervor, daß der von der Freimaurerei seit langem gewollte Triumph der liberalen Ideen jetzt seinen Erfolg erzielt hat. Er schreibt ausdrücklich: „Unsere freimaurerischen Ideen schweben anläßlich des Konzils bereits über der Kuppel von Sankt Peter.“ Ein schrecklicher Gedanke!
Es ist unnötig zu fragen, wie es möglich ist, daß uns Rom im Namen eines bösen Gehorsams befiehlt. Diese Tatsache erklärt sich aus der progressiven Infiltration der von den Päpsten verurteilten liberalen Irrtümer. Alle diese Freiheiten haben sich ausgebreitet und immer ein wenig mehr um sich gegriffen.
Jetzt wollen die Bischöfe von Brasilien einen Weltkongreß des Episkopates zur Verteidigung der Erklärung über die Menschenrechte organisieren. Diese Erklärung wurde bereits von Papst Pius VI. und Papst Pius VII. verurteilt! Es ist wichtig zu begreifen, daß diese heutigen Handlungsweisen nur durch das Auflodern der liberalen Ideen zustande kommen!
Lesen Sie das Buch von Professor Prélot über den liberalen Katholizismus auf dem Konzil. Professor Prélot ist Senator des Dép. Doubs. Er erklärt ausdrücklich: „Wir Liberalen haben gekämpft. Sogar von unseren Linken wurden wir schief angesehen, weil wir nicht in ausreichender Form mit allen Prinzipien der Französischen Revolution und mit den freimaurerischen Prinzipien einverstanden waren. Bis zu dem Augenblick, als das Konzil begann, befanden wir uns in einer Art Zusammenhanglosigkeit. Das Konzil hat unseren Ansichten recht gegeben. Der Liberalismus wurde vom Konzil öffentlich und offiziell gutgeheißen. Wir haben triumphiert!“ Professor Prélot ist Katholik. Kennen Sie die Worte, die er in seinem Buch als Motto zitiert? Er zitiert Lamennais. „Die Kirche benötigt nichts anderes, als die Freiheit.“ Lesen Sie außerdem die Ansprache, die Papst Paul VI. nach dem Konzil an die Botschafter richtete: „Meine Herren, nach Jahrhunderten der Schwierigkeiten zwischen der Kirche und Ihren Ländern, die wir erlebt haben, verlangt die Kirche von Ihnen nur eines, die Freiheit." Dieser Satz drückt genau die gleichen Symptome aus! Der Liberalismus ist bis zu den höchsten Gipfeln der Kirche vorgedrungen. Die Geisteshaltung des Liberalismus atmen wir jeden Tag in unserer Gesellschaft. Alle Menschen sind davon mehr oder weniger angesteckt und vergiftet. Wir sind nicht mehr in der Lage, uns eine katholische Gesellschaft vorzustellen. Man müßte sich in die Zeit vor der Französischen Revolution zurückversetzen und sich im Mittelalter wiederfinden, um dies zu verstehen. Es wäre notwendig, eine zutiefst christliche Gesellschaft wiederzuerkennen und den Glauben neu zu entdecken, durch den die Bevölkerung unserer Vorfahren beseelt war. Unsere Vorfahren waren fähig, Kathedralen zu errichten, nach dem Beispiel von Chartres, Paris oder Bourges. Alle diese Kathedralen sind Wunderwerke der Architektur und zeigen sehr deutlich, was die Christenheit zu der damaligen Zeit war. Könnten wir uns diesen absolut bewundernswerten Glauben der damaligen Zeit noch vorstellen, würde uns dies nach der heutigen Lage beschämen. Heute lebt man in einem Klima des Atheismus oder zumindest des Theismus, aber nicht mehr im Christentum. Man will nicht mehr die Herrschaft Unseres Herrn Jesus Christus über die Gesellschaft, weil er uns Seine Dogmen und Seine Art zu denken vorschreibt. Gerade in diesem Punkt stellt sich die Freimaurerei der Kirche von Grund auf entgegen. Für die Freimaurerei kann es keine Dogmen geben. Die menschliche Vernunft kann nicht etwas akzeptieren, was sie nicht versteht. Es handelt sich gerade dabei um eine von außen auferlegte Wahrheit. Selbst der Mensch im Lehramt wird daher Ideen folgen müssen, die er versteht und die er sich selbst ausdenkt. Er kann aber keinen Ideen folgen, die ihm von außen auferlegt werden. Daraus können Sie erkennen, daß es sich um eine absolute Revolution handelt.
Unser Herr sagt im Gegenteil: „Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wer glaubt wird gerettet, wer nicht glaubt wird verdammt werden.“ Gerade das charakterisiert die katholische Kirche. Wir müssen die Wahrheiten glauben, die uns durch Unseren Herrn Jesus Christus offenbart wurden. Er war der Prophet par excellence. Einem Freimaurer wäre es unmöglich, dies zu akzeptieren!
Heute werden die freimaurerischen Ideen in der ganzen Welt verbreitet. Die wahrhaft katholischen Staaten sind verschwunden. Noch vor kurzem existierten einige dieser Staaten – Spanien, Italien, Irland, viele Länder in Südamerika und noch einige andere. Deren Verfassung hatte offen erklärt, daß die katholische Religion vom Staat und von der Regierung öffentlich anerkannt wird. Auf dem Konzil hatte man sich jedoch besonders durch die Erklärung über die Religionsfreiheit der Herrschaft Unseres Herrn über die Gesellschaft widersetzt. Der Heilige Stuhl selbst verlangte von den Staaten, ihre Verfassung zu laizisieren. Es waren nicht die Präsidenten als Laien, die verlangten, daß der Herrschaft Unseres Herrn ein Ende gesetzt wird. Es war der Heilige Stuhl.
Ich selbst hörte das Bedauern des Präsidenten von Kolumbien. Bei der Änderung der Verfassung stand er vor dem Nuntius und den Delegierten des kolumbianischen Episkopates. Zuerst sprach der Nuntius, dann der Repräsentant der Bischöfe und schließlich der Präsident der kolumbianischen Republik. Von den drei Rednern war die Ansprache, die vom Präsidenten der Republik gehalten wurde, am meisten katholisch. Die Bischöfe sprachen darüber, nach den Prinzipien zu handeln, die das Konzil in der Erklärung über die Religionsfreiheit vorschreibt. Außerdem erklärten sie, es soll erreicht werden, daß die Freiheit aller Religionen in allen Staaten anerkannt wird. Das ist das Ende der katholischen Staaten. Es wird nur noch ein laizistischer, praktisch ein atheistischer Staat herrschen.
Der Nuntius kündigte den Fortschritt an, sprach über die Evolution und ich weiß nicht was noch – eine freimaurerische Ansprache.
Dahingegen drückte der Präsident der kolumbianischen Republik sein Bedauern aus. Er fühlte die Reaktion seines Volkes. Was werden die Kolumbianer zu diesem Ereignis sagen? Wie werden sie akzeptieren, daß die katholische Regierung nicht mehr Staatsreligion ist? Was wird das Volk sagen, wenn die Schulen nicht mehr vom Staat erhalten werden? Was werden die Ordensmänner, Ordensfrauen und Priester sagen, wenn sie sich nicht mehr in einem katholischen Staat befinden und von der Regierung nicht mehr als Privilegierte behandelt werden? Er versicherte daher in seiner Ansprache: „Solange ich Präsident von Kolumbien bin, werde ich als Katholik meinen katholischen Glauben bekräftigen. Wir werden katholisch bleiben. Wir wollen, daß unser Land katholisch bleibt.“ Diese Beteuerungen sind allerdings nur Worte. Was können sie gegen die offizielle Abschaffung des katholischen Charakters des kolumbianischen Staates bewirken? Sicher hatte der Präsident gesagt: „Ich persönlich bin Katholik und werde alles daran setzen, um zu vermeiden, daß mein Land dem Atheismus und dem Laizismus verfällt.“ Der erste Stein war bereits herausgebrochen. Das Gebäude begann zusammenzubrechen. Acht Tage nach dieser Rede verlangten die protestantischen Sekten die gleichen Privilegien wie die Katholiken.
Inzwischen ist ein wahrer Sturm der protestantischen Sekten, aller Arten der pfingstlerischen Sekten, der Buddhisten und ich weiß nicht welcher Sekten noch, eingetreten. Alle Religionen stürzen sich auf Südamerika aus dem Grund der Kultfreiheit. Es gibt kein Mittel mehr, diesen Sekten legal Herr zu werden.
Dieser schwere Irrtum wurde durch das Konzil angerichtet. Müssen wir das zulassen? Müssen wir gehorchen, wie die Bischöfe von Kolumbien, Spanien, Italien, vom Wallis in der Schweiz oder von anderen Kantonen?
Am 19. November 1978 hatte ich eine Audienz beim Papst. Während unseres Zusammentreffens sagte ich zu ihm: „Wie ist es möglich, daß die Kirche, auf Grund der Erklärung über die Religionsfreiheit, die katholischen Staaten abgeschafft hat und damit die Herrschaft Unseres Herrn Jesus Christus über die Gesellschaft?“ Der Papst antwortete mir: „Das ist keineswegs der Fall.“ Ich sagte zu ihm: „Wenn Sie wollen, werde ich Ihnen die Worte des Nuntius zitieren, als ich ihn in Bern aufgesucht hatte.“ Ich war tatsächlich beim Nuntius und hatte ihn gefragt, ob er glaubt, daß diese Abschaffung der katholischen Staaten für die Kirche ein Gewinn sein würde. Er hatte mir geantwortet: „Sie müssen das verstehen. Wenn man die katholischen Staaten abschafft, dann wird das eine größere religiöse Freiheit in der Sowjetunion zur Folge haben.“ Das ist eine reine Einbildung. Ich antwortete ihm: „Sie schaffen die Herrschaft Unsere Herrn Jesus Christus über die Gesellschaft ab? Dazu haben Sie nicht das Recht! In der Enzyklika ‚Quas primas‘ wurde durch Papst Pius XI. das Dogma der Herrschaft Unseres Herrn Jesus Christus über die Gesellschaft feierlich verkündet. Was wird dann aus dieser Enzyklika?“ Er sagte daraufhin: „Der Papst würde das nicht mehr schreiben!“ Das waren die Worte des Nuntius von Bern. Als ich diese dem Papst berichtete, hatte er nur geantwortet: „Ja, vielleicht würde er diese Worte nicht mehr in der gleichen Weise schreiben.“
Ich bin mir durchaus sicher, wäre Papst Pius XI. heute Papst, würde er die Herrschaft Unseres Herrn Jesus Christus über die Gesellschaft nach „Quas primas“ erneut bekräftigen. Er würde den Staatsoberhäuptern erneut sagen: „Ihr werdet nur gerettet werden und Ihr werdet nur die Segnungen des lieben Gottes erhalten, wenn Unser Herr über Euch und über Eure Gesellschaft herrscht.“
Ist das das Ende? Wenn Unser Herr auf den Wolken des Himmels wiederkommen wird, dann wird Er über die Gesellschaft herrschen! Wie werden alle laizistischen Präsidenten und alle, die sie unterstützt haben, reagieren, wenn Unser Herr auf den Wolken des Himmels kommen wird, um sie zu richten? Wir haben nicht das Recht, die Herrschaft Unseres Herrn Jesus Christus über die Gesellschaft einzuschränken.
Ebenso hatte ich den Papst darauf aufmerksam gemacht, daß die protestantischen Staaten protestantisch geblieben sind und es bleiben werden. England, Schweden, Dänemark und die protestantischen Kantone der Schweiz erklären in ihrer Verfassung, daß der Protestantismus die einzige vom Staat anerkannte Religion ist. Es wäre, zumindest gegenwärtig, unmöglich, daß die Königin von England nicht protestantisch ist. Das gleiche Beispiel kann man über Holland sagen. Die Kronprinzessin hat den Sohn des Prinzen Xaver von Bourbon geheiratet, einen Katholiken. Aus diesem Grund wird sie in Holland nicht regieren können. Erinnern Sie sich an den großen Skandal, als der Franzose, der die Prinzessin von Dänemark geheiratet hat, vom Glauben abgefallen ist, um in Dänemark regieren zu können. Daraus können Sie erkennen, daß die protestantischen Staaten sehr fanatisch sind.
Bei den mohammedanischen Staaten verhält es sich noch schlimmer. Es kommt überhaupt nicht in Frage, daß der Präsident kein Mohammedaner ist!
Kann man sich vorstellen, daß in den kommunistischen Staaten der Präsident kein Parteimitglied ist? Das ist unvorstellbar! Der Kommunismus ist eine atheistische Religion, aber eben doch eine Religion.
Ich wies den Papst darauf hin: „Alle diese Länder bewahren ihre Religion. Soll die einzig wahre Religion Unseres Herrn Jesus Christus, des wahren Königs und wahren Gottes, nicht das Recht haben, über die Gesellschaft zu herrschen? Undenkbar! Wenn Sie das einführen, zerstören Sie die katholische Kirche. Gegenüber allen diesen Staaten wird sie machtlos sein.“
Es wurde zum Beispiel ein Nuntius in den Libanon entsandt. Er sollte versuchen, den Genozid an der dortigen armen kleinen katholischen Gemeinschaft zu verhindern. Leider umsonst!
Der Papst kann sich nicht mehr an Spanien, Italien oder Frankreich wenden. Als diese Staaten noch katholisch waren, konnte er noch um Hilfe bitten: „Kommt mir zu Hilfe, um diese oder eine andere katholische Gemeinschaft, die im Begriff ist zu verschwinden, zu retten!“ Jetzt erhält er von diesen Staaten die Antwort: „Wir sind nicht mehr katholisch. Wir können nichts mehr für Sie tun! Sie selbst haben es so gewollt!“ Die Kirche ist verlassen und ist praktisch handlungsunfähig. Der Papst hat mir daraufhin nicht geantwortet.
Die Erklärung über die Religionsfreiheit widerspricht wörtlich der Lehre von Papst Pius IX. Wem muß man glauben? Dieses Argument hatte ich auch gegenüber Papst Paul VI. während der Audienz vorgetragen: „Heiliger Vater, Sie sagen, daß wir ungehorsam sind. Was sollen wir tun? Die Erklärung über die Religionsfreiheit lehrt genau das Gegenteil, was Papst Pius IX., Papst Gregor XVI. und alle späteren Päpste lehrten. Wen sollen wir wählen? Ich selbst habe mich für die zweite Möglichkeit entschieden, da diese Lehre die gesamte Tradition der Kirche repräsentiert und das, was sie seit zwanzig Jahrhunderten unablässig gelehrt hat. Das, was das Konzil in der Erklärung über die Religionsfreiheit aussagt, kann ich nicht akzeptieren. Diese Erklärung stellt das genaue Gegenteil dar. Sie stellen mich vor ein unlösbares Problem.“ Der Papst antwortete mir: „Wir können uns hier nicht mit theologischen Fragen beschäftigen!“ Sicherlich war ich nicht dort, um theologische Fragen zu diskutieren. Dennoch bleibt das Problem sehr wohl bestehen. Tief im Inneren bin ich davon überzeugt, daß die Katholiken und Priester diese Texte ablehnen müssen, da diese dem Lehramt der Kirche widersprechen. Es kann auch ein ungläubiges Lehramt geben. Sicher ist das gerade erwähnte Lehramt, ex cathedra oder das ordentliche Lehramt, das der gesamten Welt den der Tradition entsprechenden Glauben vorschreibt, durchaus rechtgläubig. Daneben kann es jedoch durchaus ein der Tradition untreues Lehramt geben. Das ist das Unterscheidungsmerkmal. Der hl. Apostel Paulus sagt uns: „Allein, wenn auch wir oder ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium verkündete, als wir euch verkündet haben, der sei ausgeschlossen.“ Der hl. Paulus setzt also den Fall voraus, daß es möglicherweise vom Lehramt eine Lehre geben könnte, die nicht der Lehre entspricht, die von Anfang an gelehrt wurde. Wo sonst wird man das Unterscheidungsmerkmal der Wahrheit des Glaubens finden?
Diese Erklärung über die Religionsfreiheit entspricht nicht der Lehre, die von Anfang an gelehrt wurde. Alle Päpste haben das immer erklärt, daß es eine Wahrheit gibt und die Kirche die Wahrheit ist. Man hat kein Naturrecht, zwischen der Wahrheit und dem Irrtum zu wählen. Die Erklärung über die Religionsfreiheit besagt jedoch ausdrücklich, daß es ein Naturrecht gibt. Das bedeutet, man kann zwischen der Wahrheit und dem Irrtum wählen. Es handelt sich dabei nicht nur um irgendein bürgerliches oder gesetzliches Recht, sondern um ein Naturrecht, gegründet auf der Menschenwürde. Das Konzil erklärt dieses Gesetz für rechtmäßig, wenn man nach seinem Belieben handelt. Die Kirche hat zu keinem Zeitpunkt etwas derartiges gelehrt. Im Gegenteil, die Kirche hat immer geboten, der Wahrheit anzuhängen.
Unter gewissen Umständen kann man sicherlich den Irrtum tolerieren. Man hat jedoch nie das Recht, dem Irrtum anzuhängen.
Das große Übel, das sich auf dem Konzil für alles verantwortlich zeigte, war der falsche ökumenische Geist, der uns auf eine Ebene der Gleichheit mit allen übrigen Religionen stellt. Man kann Unseren Herrn nicht mit Buddha, Luther oder den Menschen des Teufels auf die gleiche Stufe stellen!
Sie werden vielleicht denken: „Monseigneur, Sie übertreiben, wenn Sie sagen, Menschen des Teufels!“ Entweder sind die Menschen vom Heiligen Geist, oder von einem bösen Geist inspiriert. Wenn Menschen von einem guten Geist inspiriert sind, dann sind sie mit der Kirche. Lehren sie allerdings den Irrtum, dann sind sie vom Geist des Teufels inspiriert, dem Fürsten der Lüge. Es ist nicht möglich, anders zu denken. Der Teufel erfindet Religionen, um die Bekehrungen zu verhindern. Er hält die Familien, die Schulen, die Erziehung und alle Gebiete in ein wohl organisiertes System fest eingeschlossen, um die Seelen von der Kirche fernzuhalten.
Es ist sehr schwierig, einen Mohammedaner zu bekehren! Ich war fünfzehn Jahre lang Erzbischof von Dakar. Dort gab es drei Millionen Mohammedaner, hunderttausend Katholiken und vierhunderttausend Animisten. Die Animisten konnte man taufen. Bei den Mohammedanern war eine Taufe praktisch nicht möglich. Wollten sich die Studenten an der Universität bekehren, mußten sie mit ihren Familien absolut brechen. Sie mußten von ihren eigenen Mitteln leben und riskierten überdies ihr Leben. In unseren Schulen waren zehn Prozent Mohammedaner. Ich duldete sie nicht mehr, sonst wären unsere Schulen mohammedanisch geworden. Ihre Eltern ermutigten sie sogar, den Katechismus zu lernen. „Religion wird ihnen gut tun“, sagten sie. Oft waren diese Kleinen die besten im Katechismus. Wenn sie sahen, daß die anderen Kinder zur Kommunion gingen, wollten sie auch kommunizieren! Selbst wenn wir den besten im Katechismus zur Kommunion zugelassen hätten, hätten die Mohammedaner die Schule in Brand gesteckt!
Ich habe die Schulen der Weißen Schwestern in der Sahara visitiert. Besonders die Franziskanerinnen Mariens erzogen die jungen mohammedanischen Mädchen, die ihnen anvertraut waren, auf eine bewundernswerte Weise. Die Schwestern verpflichteten diese Mädchen jedoch nicht, die Messe zu besuchen oder Andachtsübungen zu verrichten. Diese jungen Mädchen waren nicht blind. Sie sahen diese Schwestern! Manchmal baten sie: „Könnten wir nicht in die Kapelle kommen, um mit Ihnen zu beten?“ Diesen Bitten mußte man mit großer Vorsicht gegenüberstehen! Im Geheimen konnte man diesen Bitten einpaar mal nachkommen. Hätten jedoch die Mohammedaner erfahren, daß die Schwestern mehr oder weniger beabsichtigten, ihre Kinder zu taufen oder zu bekehren, dann hätten sie die Schwestern sofort vertrieben. Die Schule wäre sofort geschlossen worden. Für diese jungen Mädchen gab es nur einen einzigen Weg, Christin zu werden. Sie verbrachten fünf oder sechs Jahre bei den Schwestern. Wenn sie getauft werden wollten, mußten sie gelegentlich eine Reise durch die Wüste bis nach Algier antreten, um zu verschwinden. Ihre Eltern durften nicht wissen, wo sie sich aufhalten. Sie durften nicht einmal den Verdacht hegen, daß die Schwestern in irgendeiner Weise dabei im Spiel sind!
Der Teufel schließt diese jungen Menschen ein, um jede Bekehrung zu verhindern. Wir dürfen nicht einmal wagen zu sagen, daß diese Religionen den gleichen Wert haben, wie die Religion Unseres Herrn! Kriechen wir nicht vor dem Teufel. Es handelt sich dabei wirklich um den Teufel!
Gewisse Aspekte können großartig erscheinen. Der Teufel bedient sich jedoch immer gewisser Aspekte der Wahrheit, um die Seelen zu verderben.
Die Erklärung über die Religionsfreiheit ist ein vom Konzil gelehrter Irrtum. Können wir diese Erklärung akzeptieren? Nein! Natürlich nicht!
Papst Paul VI. hatte einen liberalen Geist. Diese Worte stammen nicht von mir. Sein guter Freund, Kardinal Danielou, hatte diese Worte gesagt. In seinen „Memoiren, erzählt von einer Schwester“ ist zu lesen: „Der Kardinal sagt von Papst Paul VI., daß er einer seiner großen Freunde war. Er kannte ihn gut. Er hatte einen liberalen Geist.“ Das erklärt sein ganzes Pontifikat.
Der liberale Geist wird von der Welt und von allen Freiheiten versucht, wie eine Art Verzauberung. Die Liberalen wurden von der Französischen Revolution verzaubert. Fünfzig Jahre später sah sich Frankreich vor die Konsequenzen gestellt. Auf der einen Seite lehnten Menschen die Prinzipien der Revolution strikt ab. Auf der anderen Seite gab es Menschen, die sich nur den Exzessen, den Mißbräuchen und den Gewalttaten entgegenstellen wollten. Diesen Menschen genügte es, die Prinzipien der Revolution zu christianisieren. Sie verstanden sich sehr gut mit der Revolution. Das war der Ruin Frankreichs. Papst Leo XIII. war sich damals nicht darüber im klaren, daß unser Land von freimaurerischen Persönlichkeiten geleitet wurde. Er glaubte, das „ralliement“ – „die Aussöhnung“ befürworten zu können. Die Antwort darauf war das Ministerium Combes. Alle Ordensmänner und Ordensfrauen wurden aus Frankreich verjagt, die Kirchen wurden aufgebrochen und an das Kirchengut wurde Hand angelegt. Das ist der Liberalismus!
Seit dem Konzil hörte man von neuem: „Akzeptieren wir die Prinzipien, ohne die Exzesse zu akzeptieren.“ Der Wurm sitzt jedoch in der Frucht. Vergeblich versucht man, die Exzesse einzugrenzen. Der Wurm muß aus der Frucht entfernt werden, das bedeutet, man muß die Irrtümer verbannen, die im liberalen Gedanken enthalten sind. Vielleicht werden wir durch die Ereignisse und Katastrophen, die der liebe Gott als Strafe für die Zurückweisung der Herrschaft Unseres Herrn über die Gesellschaft über uns verhängen könnte, sehr wohl gezwungen sein, so weit zu kommen. Was wird jedoch sein, wenn es keine wahren Priester, kein wahres Opfer mehr gibt und alles von der Auflösung bedroht ist.
Wenn man die wahre Erneuerung der Kirche will, muß man zur Tradition zurückkehren. Es geht nicht darum zu sagen: „Wir haben im Kampf gewonnen. Wir haben recht.“ Alles was zählt, ist das Heil der Seelen, die Kontinuität der Kirche und unsere Pflicht, Unseren Herrn Jesus Christus herrschen zu lassen. Das hilft uns durchzuhalten. Jedenfalls haben wir notwendigerweise zu Beginn gewonnen. Wir können zum Beispiel alle an den Folgen einer Atombombe sterben. Was wir jedoch getan, gelehrt und gesagt haben, das wird bleiben. Es steht mit dem im Einklang, was von Anfang an gelehrt wurde, wie der hl. Paulus sagt. Wir befinden uns in der Wahrheit. Die Wahrheit kann nicht untergehen. Wir müssen einfach damit fortfahren, die Religion aller Zeiten fortzusetzen, nach dem Beispiel unserer Eltern und Großeltern.
Mit blutigen Tränen müssen wir sehen, wie die Kirche in dieser Hinsicht zerfällt. Wir sehen das Elend unserer Gotteshäuser, unserer Priester, unserer Seminare und Ordensgemeinschaften. Die vom hl. Franz von Sales gegründeten Salesianerinnen haben sich im vergangenen Jahr dazu entschlossen, die Hälfte ihrer 75 Klöster, die ihnen in Frankreich noch geblieben sind, zu verkaufen. Die übrigen Liegenschaften werden zu Hospizen für die alten Schwestern umgewandelt. Das ist das Los der Klöster in Frankreich!
Ich erhalte Briefe aus der ganzen Welt mit folgenden Wortlauten: „Das Knabenseminar von Quimper ist zu verkaufen. Wollen Sie dieses Seminar erwerben?“ „Das Seminar von Legé steht zum Verkauf. Wollen Sie es kaufen?“ Gerade heute morgen erhielt ich wieder ein Schreiben: „Das große Seminar von Nantes ist zu verkaufen … . Wollen Sie dieses Seminar kaufen?“
Unwahrscheinlich! Jede Woche erhalte ich ein Angebot, um ein Seminar, ein Kloster oder eine Abtei zu erwerben. Diese Angebote erreichen mich nicht nur aus Frankreich. Ich werde Ihnen über ein Beispiel aus den Vereinigten Staaten berichten. Vor zwei Tagen erhielt ich ein Schreiben von unserem Oberen aus dem südlichen Distrikt der Vereinigten Staaten. Er wohnt in der Nähe von Kansas City. Der Brief enthielt folgenden Inhalt: „Wir konnten von der Kongregation Jesus und Maria eine riesige Liegenschaft in El Paso, an der Grenze zu Mexiko, erwerben. Diese Liegenschaft wurde zum Verkauf angeboten. Sie besteht aus einer Kirche, einem Gebäude, das für ein Seminar geeignet ist, einer Schule und einem Presbyterium. Wir konnten diese Liegenschaft erwerben.“ Dieser Fall könnte jeden Tag eintreten. Es ist trostlos, diesen Ruin der Kirche überall mitansehen zu müssen. Wir behalten das Mobiliar und alles was wir behalten können. So werden wir ein Seminar für Mexiko erhalten. Junge Menschen werden gute Priester abgeben. Sie wollen nicht in die heutigen Seminare eintreten, denn sie wissen, daß sie vielleicht, wenn sie das Seminar wieder verlassen, den Glauben verloren haben.
Man muß allerdings den Unterschied kennen. Sie können sich sicher vorstellen, daß ich mit tiefem Schmerz gesehen habe, als einige meiner Priester die Bruderschaft verlassen hatten. Seit der Gründung der Bruderschaft habe ich immer eine Linie eingehalten. Diese Priester waren mit der Linie meines Verhaltens nicht einverstanden. Ich habe immer den Papst anerkannt. Papst Paul VI. und Papst Johannes Paul II. hatte ich Besuche abgestattet. Wenn Papst Johannes Paul II. von mir verlangen würde, ihn morgen wiederzusehen, wäre ich dazu bereit. Ich bin allerdings auch dazu bereit, Wahrheiten auszusprechen!
Ich versuche zu erreichen, Ihnen verständlich zu machen, daß man zur Tradition zurückkehren muß. Man muß einsehen, daß man sich getäuscht hat. Es ist notwendig, zu den soliden Dingen zurückzukehren – auf die Grundlagen unseres Glaubens, den Katechismus aller Zeiten und auf die Sakramente und das heilige Meßopfer aller Zeiten. Darauf muß man zurückkommen. Das ist ihre Pflicht! Man wird den Baum an seinen Früchten erkennen. Wenn sie wenigstens die Freiheit gewähren würden!
Ich bin nicht damit einverstanden, wenn Menschen sagen, „es gibt keinen Papst.“ Das ist eine sehr ernste Aussage. Auch wenn ein Papst liberal denkt und handelt, hat das noch nicht zur Folge, daß er nicht mehr existiert.
Meines Erachtens, ist Papst Johannes Paul II. nicht so sehr vom Liberalismus befallen, wie Papst Paul VI. Unglücklicherweise bekräftigt er jedoch, daß er der geistliche Sohn von Papst Paul VI. ist und seiner Linie folgen wird. Er verteidigt Papst Paul VI. und empfindet es als seine Pflicht, das Werk von Papst Johannes XXIII. und Papst Paul VI. fortzusetzen, deren Namen er angenommen hat. Wir sind von großer Angst erfüllt. „Um Gottes willen, wo wird das enden, wenn das so weitergeht? Werden wir auf ein neues Pontifikat warten müssen?“
Soweit es die Seminare, den Klerus sowie die kirchliche und religiöse Disziplin betrifft, hegt Papst Johannes Paul II. sicherlich eher den Wunsch, zur Tradition zurückzukehren. Er spricht nur Gutes darüber, das wir glücklich hören dürfen.
Auf dem Gebiet der Liturgie verhält es sich leider anders. Der Papst hatte zu mir gesagt: „Wenn wir hinsichtlich des Konzils in dem Sinn keine Schwierigkeiten haben, als Sie glauben, es annehmen zu können, sofern das Kriterium dafür die Tradition ist, dann gibt es also zwischen uns keine Probleme?“ Ich antwortete ihm: „Ja, sofern das Kriterium dafür die Tradition ist. Wenn es also etwas gibt, das nicht mit der Tradition im Einklang steht, dann bedaure ich es.“ Daraufhin meinte der Papst: „Wenn Sie einen Satz wie diesen unterschreiben könnten, dann wäre das sehr gut.“ Ich sagte zum Papst: „Ja, ich bin bereit, diesen Satz zu unterschreiben.“ Der Papst sagte weiter: „Also bleibt dann nur die Frage der Reformen.“ Ich antwortete: „Ja, besonders die Liturgiereform. Dabei handelt es sich um eine sehr bedeutende und schwerwiegende Reform, die alle Christen, Gläubige und Priester betrifft.“ Daraufhin sagte der Papst: „Das ist eine disziplinäre Frage … .“
Urteilen Sie selbst!
Ich habe den Papst darauf hingewiesen: „Dennoch gibt es den Sinnspruch, der seit Jahrhunderten in der Kirche gültig ist ‚lex orandi, lex credendi’ – ‚das Gesetz des Betens ist zugleich auch das Gesetz für unseren Glauben’. Wenn man das Gesetz des Betens ändert, besteht die Gefahr, auch das Gesetz des Glaubens zu ändern. Der Glaube ist in gewisser Weise ein wenig das Ergebnis unseres Kultes und unserer Liturgie. Damit drücken wir unseren Glauben aus. Wenn der Ausdruck unseres Glaubens auf eine so schwerwiegende und wichtige Art geändert wird, zum Beispiel, wenn in einem solchen Maß die Worte der Konsekration geändert werden, dann besteht die Gefahr, daß auch unser Glaube geändert wird. Das ist eine sehr ernste Situation. Daher kann es sich nicht einfach nur um ein disziplinäres Gesetz handeln.“
Ich sage Ihnen das, weil Sie sich Fragen stellen könnten, die ich mir selbst stelle. Von ganzem Herzen wünsche ich mir, daß die Tradition wieder in die Kirche zurückkehrt. Ich bete am Morgen und am Abend dafür. Der Papst selbst wird darüber am meisten befriedigt und glücklich sein. Man kann nur mit, durch und unter der Herrschaft Unseres Herrn leben. Überall – in der Liturgie, in den Bereichen der Gesellschaft, in der Politik und in der Familie. Man kann nichts ohne Unseren Herrn Jesus Christus tun.
Wir müssen auf einer festen Linie bleiben und dürfen vor allem nicht im Laufe der Schwierigkeiten, die wir erleben, vom rechten Weg abkommen. Versucht durch extreme Lösungen könnte man sagen: „Der Papst ist nicht nur liberal, sondern auch ein Häretiker. Vermutlich ist der Papst sogar mehr ein Häretiker. Daher gibt es auch keinen Papst!“ Das ist eine falsche Aussage. Selbst wenn der Papst liberal ist, ist er nicht notwendigerweise ein Häretiker und steht daher auch nicht außerhalb der Kirche. Man muß dazu befähigt sein, die notwendigen Unterscheidungen zu erkennen, um auf einem sicheren Weg und wirklich in der Kirche zu bleiben. Wenn dies nicht der Fall wäre, wo würden wir dann hinkommen? Wenn es keinen Papst mehr gibt, dann würde es auch keine Kardinäle mehr geben! Wäre der Papst nicht Papst gewesen, als er die Kardinäle ernannte, dann wären diese Kardinäle keine Kardinäle und könnten somit auch keinen Papst wählen. Wird es dann ein Engel vom Himmel sein, der uns einen Papst bringt?
Das ist absurd und sehr gefährlich! Wir könnten vielleicht Lösungen finden, die wirklich schismatisch sind. Denken wir an den Papst von Palmar de Troya. Er ist nicht nur selbst exkommuniziert, sondern hat auch mich, den Papst und alle anderen exkommuniziert. Man würde bei der Kirche von Toulouse, bei der Kirche von Rouen, bei den Mormonen, Pflingstlern oder den Adventisten, ich weiß nicht bei wem noch, landen. Die Seelen wären verloren! Dafür will ich zumindest keine Verantwortung übernehmen.
Vielleicht werden mich viele Menschen als streng ansehen, wenn ich von den Priestern, die sich weigern, dieser Linie zu folgen, verlange, uns zu verlassen. Ich will den Wolf nicht in den Schafstall führen. Wenn ich sage, es gibt einen Papst, dann sind wir nicht dazu verpflichtet, ihm in allem zu folgen. Es kann Hirten geben, die nicht im vollen Sinn des Wortes gute Hirten sind. Wir sind nicht verpflichtet, diesen Hirten in allem zu folgen. Darüber hinaus zu sagen, es gibt keinen Papst, ist nicht möglich! Wenn so gesprochen wird, führt dies dazu, unter den Traditionalisten Spaltungen hervorzurufen. Das will ich nicht!
Die Frage über die Gültigkeit, der von Häretikern vorgenommenen Konsekrationen, wurde bereits behandelt. Ich kann darüber einige Beispiele erwähnen.
Zu einer bestimmten Zeit im Mittelalter haben die Päpste gelehrt, daß die von häretischen Bischöfen erteilten Priesterweihen nicht gültig sind. Das bedeutete ein Abgehen von der Lehre des hl. Augustinus und vielen anderen. Ein bei den Katholiken gültig konsekrierter Bischof kann der Häresie oder dem Schisma verfallen sein. Seine Weihe bleibt jedoch gültig. Wenn ein Papst einen Bischof konsekriert, ist dies gültig. Weiht er Priester, so sind diese Priester gültig geweiht.
Innerhalb der Kirche gab es also eine Art Schwankung und Diskussionen zwischen Theologen. Dann ist man jedoch auf die sichere Lehre zurückgekommen. Es ist wahr, daß die Kirche einen Augenblick Unsicherheit zeigte. Diese Päpste haben jedoch nicht ex cathedra gelehrt, daß die schismatischen oder häretischen Bischöfe nicht gültig geweiht haben. Sie haben lediglich eine falsche Meinung geäußert.
Heute stehen wir vor den gleichen Schwierigkeiten. Wir müssen die Irrtümer zurückweisen und fest bleiben, bis ein Papst nach dem Vorbild des hl. Papst Pius X. wiederkehrt. Dann wird es keine Probleme mehr geben. Die heilige Kirche wird uns in der Wahrheit wiederfinden und wir werden mit dem Papst hundertprozentig vereint sein, der zur Tradition zurückgefunden hat. Ich werde dann vermutlich nicht mehr auf dieser Erde weilen. Man muß dennoch hoffen, daß diese Angelegenheiten mit Papst Johannes Paul II. in Ordnung kommen.
Wir verlangen vielleicht lediglich, daß über die theoretischen Probleme nicht zu viel diskutiert wird. Fragen, die uns spalten, wie zum Beispiel die Frage über die Religionsfreiheit, sollte man dahingestellt sein lassen. Man ist nicht dazu verpflichtet, alle diese Probleme sofort zu lösen. Die Zeit wird eher Klarheit und eine Lösung bringen.
Ich habe es bereits einpaar mal erwähnt. Der Papst sollte uns in der Praxis das Experiment der Tradition machen lassen. Man könnte mir erwidern: „Sie können dieses Experiment doch durchführen!“ Stellen Sie sich vor, der Papst würde zu den Bischöfen sagen: „Laßt sie in Ruhe! Laßt sie gewähren! Sie machen nichts anderes, als das, was wir unser halbes Leben, oder zwei Drittel unseres Lebens getan haben. Laßt sie gewähren. Man wird sehen, was geschieht.“ Das ist das einzige, was wir verlangen! Ich bin davon überzeugt, daß in diesem Augenblick die Wahrheit zu ihrem Recht kommen wird. Die Tradition wird ihren wahren Platz finden und die Kirche wird eine neue Jugend erleben.
Es fehlt nicht an Hoffnung. In diesem Jahr können wir 75 neue Berufungen zählen! Fragen Sie die Schwestern von Fanjeaux, von Brignoles oder vom Karmel. An den Orten, wo die Tradition bewahrt wird, blühen die Berufungen.
Der Karmel wurde vor eineinhalb Jahren in Quiévrain gegründet. Inzwischen muß bereits ein zweiter Karmel ins Auge gefaßt werden! Ich mußte zu der Priorin sagen: „Langsam! Wo werde ich das Geld für dieses Vorhaben finden?“
Es ist besser, Sorgen dieser Art zu haben, als sehen zu müssen, wie sich die Karmeliterklöster leeren. Als meine Schwester Australien verlassen hatte, wurde dort zu diesem Zeitpunkt mit der Klausur gebrochen. Die Schwestern gingen in Zivil aus dem Haus, um Katechismusunterricht zu erteilen! Als meine Schwester dies sehen mußte, ist sie sofort nach Europa zurückgekehrt und gründete diesen Karmel.
Es ist sehr tröstlich diese Früchte und diese Jugend zu sehen. Der Heilige Geist ist auch heute noch am Werk! Die Jugend reagiert auf die Irrtümer, über die unsere Vorgänger gestolpert sind. Es ist oft der Fall, daß eine Generation auf die vorangegangene so reagiert. Heute finden wir wahrhaft bewundernswürdige junge Menschen.
Deshalb war es auch unser Anliegen, diese Universität in Paris zu gründen. Das Vorhaben hat bescheiden begonnen. Inzwischen entwickelt sich diese Universität sehr gut und in einem sehr guten Geist. Professoren und Schüler sind zufrieden. Dieses Institut ist sehr gut geeignet, solide und wohlgeratene Geister zu schmieden, genährt von der wahren Philosophie des hl. Thomas von Aquin. Gelehrt werden die unverfälschte Geschichte und die wertvolle Literatur kultivierter Persönlichkeiten. Dieser Kern berechtigt uns dazu, große Hoffnungen zu hegen.
Der Gedanke ist sicherlich schmerzlich, wenn bei allem neu angefangen werden muß. Man kann jedoch nur auf einer soliden Basis neu beginnen.
Das erhabenste Mittel, die Kirche und die Seelen zu retten, ist das Gebet, ganz besonders das Gebet zur allerseligsten Jungfrau Maria, vor allem der heilige Rosenkranz!
Im letzten August war ich bei einer Familie in Chile zu Gast. Ich fragte die Familienmitglieder: „Mit welchem Mittel konnten Sie sich von Allende und vom Kommunismus befreien? War es wirklich der Militärputsch, der Sie befreit hat?“ Ich erhielt die Antwort: „Nein, Monseigneur, der Rosenkranz hat die Kommunisten beseitigt. Wir haben uns dazu entschlossen, in allen christlichen Familien Gebetsketten zu bilden. Alle haben den Rosenkranz gebetet. Wir spürten deutlich, daß der Schutz der allerseligsten Jungfrau Maria den Kommunismus aus unserem Land verjagt hat.“
Die gleiche Antwort erhielt ich von den brasilianischen Bischöfen: „Der Kommunismus wurde durch den Rosenkranz aus Brasilien verjagt. Die Christen, Männer und Frauen, liefen mit dem Rosenkranz in der Hand durch die Straßen. Sie beteten den Rosenkranz öffentlich und mit lauter Stimme!“
Meine lieben Freunde, das gleiche muß auch unsere Aufgabe sein. Beten wir den Rosenkranz, um die Feinde, die sich außerhalb und innerhalb der Kirche befinden, zu verjagen. Vertrauen wir uns der allerseligsten Jungfrau Maria an!
 
 
Nationalwallfahrt Deutschlands




 
Wertvolle Information für Sie!

Gerne senden wir Ihnen das monatliche Informationsblatt der Priesterbruderschaft.




 
Skandalöser Tanz von Franziskanern




 
Lesen Sie das...


gegen die Piusbruderschaft.



 
Dreharbeiten für den Faust-Film




 
Spenden

Helfen Sie mit!
Ihre Spende zählt!



 
Kloster Reichenstein


www.kloster-reichenstein.de



 
1000plus


Helfen Sie, tausend Babys zu retten...

Weiterlesen...


 
Mutiges Zeugnis


Das mutige Zeugnis eines Bischofs in einer unendlich peinlichen Talkschow.

Weiterlesen...


 
Jahrestag


Rücknahme des Exkommunikationsdekretes

Weiterlesen...


 
Pilgermadonna


Ab Samstag, dem 3. Oktober, wandert diese Statue durch alle Kirchen, Kapellen und Priorate Deutschlands!

Weiterlesen...


 
Die manipulierte Demokratie


Ein Kommentar zum Minarettverbot in der Schweiz.

Weiterlesen...


 
Antwort auf die Religionsfreiheit

 
Sie haben ihn entthront! Eine Antwort von Pater Matthias Gaudron zur Diskussion um die Religionsfreiheit. (Bild: Notre Dame de Paris, vollendet mit Minaretten)

Weiterlesen...


 
Kommentar


Brüderlichkeit tut Not! – Ein Kommentar

Weiterlesen...


 
Spass muss sein...


Weiterlesen...